Bescheidene Anfrage
23 Januar 2008
Steht mein Bild wohl noch auf deinem Tisch?
Kramst du manchmal noch in meinen Briefen?
Ist das kleine Landhaus mit dem schiefen
Bretterdach auch jetzt noch malerisch?
Geht die Haustürklingel noch so schrill
Und verklingt erschrocken immer leiser …
Bellt dein Dackel Julius noch so heiser?
Ists am Abend so wie damals still ?
Hast du immer noch kein Telephon?
Gibts auf dem Balkon noch Hängematten?
Spielt ihr manchmal noch die Schubertplatten
Auf dem altersschwachen Grammophon?
Gibts zum Tee noch immer Zuckerschnecken?
Sagt Johanna immer noch ‘der Gas’ … ?
Darf man in das teure Gartengras
Immer noch nicht seine Beine strecken?
Weht der Seewind morgens noch so frisch?
Grinst der Mond des Nachts noch so verlegen?
Gehst du manchmal mir zur Bahn entgegen?
… Steht mein Bild wohl noch auf deinem Tisch?
Steht mein Bild …? – Ich hab’ es selbst zerrissen!
Glaub nur nicht, ich hätte deins vermißt.
Aber manchmal möcht man manches wissen,
Wenn man so mit sich alleine ist …
Mascha
8 Januar 2008
Woah, Woah, Woah, Woah, Woaaaah… der große Tag meines Gymnastiktuniers rückt näher und ich werde immer nervöser. Nervöser, leider nicht motivierter oder zuversichtlicher. Das liegt vielleicht daran, dass ich ín dem kurzem Tunierkostüm aussehe, wie eine blau-weiß gestreifte Presswurst und mich eben so unelegant über die Matten wälze. Das ich die Sprugkombinationen immer noch nicht hinbekomme und wir noch eine Trainingsstunde haben. Ach, was kommt man da immer ins träumen, wenn man die GROßEN im Fernsehen sieht, wie sie locker die Beinchen schwingen. Alle ganz einfach. Mh, oder eben nicht.
Ansonsten geht natürlich die Schule weiter. In Englisch behandeln wir immer noch Oscar Wildes Stück “The importance of beeing Ernest” und in Mathe werde ich immer noch gerne von der Lehrerin geärgert. Mein Mathematisches Selbstbewusstsein war eigentlich noch nie so im Keller. Wenn ich einen Test mitschreiben muss, vergehe ich jedes Mal fast vor Scham, da ich so im Durchschnitt 2 von 10 Aufgaben löse und nicht mal darüber kann sich dann die Lehrerin freuen.
Weiterhin bin ich mal wieder krank und hatte so Zeit ein bisschen in dem Gedichteband von Mascha Kaleko zu stöbern. Mir gefällt ihr Stil unglaublich gut und deshalb werde ich hier mal eins wieder geben:
Aus dem Leben eines EinzelgängersEinen Tagedieb
Schelten mich die Nachbarn
Doch ich
Schon früh
Im Schweiße meines Angesichtes
Säge an dem Ast, auf dem ich sitze,
Überprüfe meine brachliegenden Äcker und
Werfe fleißg
die Flinte ins Korn.
Schlägt es dreizehn
Löffle ich fromm
die Suppe aus, die ich mir
Eingebrockt habe, und beiße zufrieden
In den sauren Apfel.
Ein gutes Gewissen ist der beste Koch.
Kommt Besuch,
Setze ich die Herren
Gemütlich zwischen zwei Stühle,
Die Damen in Verlegenheit und
Mich selbst in die stets bereiten
Brennesseln.
Zu festlichen Gelegenheiten
Schlage ich dem Faß den Boden aus und
Schlachte die Henne, die die goldenen Eier legt.
Carpe Diem!
Das heißt: Nütze den Tag!
Endlich Feierabend.
Ich lege mich auf die wohlverdiente
Bärenhaut, falte die Hände
In den Schoß und
Träume
Von aller Tage Abend.
Ist das nicht genial? Ich finde es einfach klasse, wie einfach sie die Sachen auf den Punkt bringt und wie ironisch/ leicht sie sich auch mit ernsteren Themen befasst.