Alles im Wasser – April, April…
13 Januar 2008
Es ist nicht einmal Freitag, der 13 und doch ging heute so einiges schief. Es war ja der große Tag meiner Aufführung. Das Show-Down so zu sagen, auf welches ich schon seit gut 3 Monaten hin arbeite. Ich bin ziemlich früh aufgewacht und sofort motiviert aus dem Bett gesprungen, was ja eigentlich nicht so meine Art ist und damit eindeutig meinen Streß demonstriert. Dann sofort geduscht, präpariert, Anzug angezogen und Francoise hatte wahrscheinlich noch nicht Mal vom Aufstehen geträumt, da wäre ich schon gerne ins Auto gestiegen und los gefahren. Erst ein Mal aber, als kleine böse Überraschung, kam ein Freund, Michelle, auf einen Morgenkaffee vorbei und Francoise hatte ihn total vergessen. Er brachte eine super leckere Galette mit, so wie eigentlich alle Besucher im Februar und so begannen wir schon den Tag recht fettig. Gegen ca. 11 Uhr fuhren wir dann los. Es war fantastisches Wetter und die Sonne schien. Francoise konnte ihr Auto überreden 110 auf der Autobahn zu fahren, obwohl da schon ganz schön die Fenster klapperten und so rasten wir dem Süden entgegen. Es ging durch ziemlich viel Industriegelände und all die Schornsteine sahen ein bisschen aus, wie verlassene Riesenhäuser. Wie immer fanden wir die Turnhalle nicht gleich, sondern kurvten 4 Mal durch den Ort, um dann zu erfahren, dass wir auch die Halle schon 4 Mal umkurvt hatten, aber solche Sachen sind ja immer schrecklich schlecht ausgeschildert. Bei der modernität der Halle und der Professionalität, wie all die Geräte aufgebaut waren und die Richter im Anzug an weiß gedeckten Tischen dahinter saßen, wurde mir richtig schlecht. Ich fand bald die Anderen und gemeinsam mit ungefähr 50 000 anderen Leuten machten wir uns dann warm. Es klappte alles ziemlich gut und ich glaube das lag an all dem Adrenalin, was durch meine Adern geschoßen wurde, aber ich entwickelte regelrecht ungeahnte Kräfte und stemmte mich am Barren hoch, wie noch nie. Als aller letztes mussten wir uns nur noch unsere Startplätze holen und in die Halle zum turnen marschieren, doch vorher sollte für mich noch die große Bomben platzen.
Ich durfte nicht starten.
Jetzt im Nachhinein klingt das für mich alles, wie ein schlechter Film, ein böser Traum. All das, dass ich seit Monaten trainiert hatte, dass ich mich gedehtn habe ( auch in den Ferien ), dass ich riesen Stress wegen der Musik hatte, dass ich mir ein Kostüm organisiert habe, dass ich zu dieser blöden Halle gefahren bin, mich warm gemacht habe und gerade dabei war in die Halle zu laufen. Das ich all das gemacht habe und nun doch nicht starten durfte. Dass ich all das umsonst unternommen habe, weil mein Lehrer vergessen hat meine Daten den Tunierleuten zu zu senden. Ich war mächtig geknickt. Es ging nicht so sehr darum, dass ich nun nicht platziert wurde, sondern dass es eine schöne Erfahrung gewesen wäre. Dass alle anderen die Möglichkeit habe später am Tunier teil zu nehmen und gerade ich, die diese Möglichkeit nicht hat, nicht starten durfte. Dass ich nciht mitmachen durfte, weil mein Lehrer mich einfach vergessen hat. Es ist unheimlich enttäuschend. Auch das Francoise mit mir dahin gefahren ist, es war mir fast peinlich vor ihr. Es kommt ja auch mächtig blöd. Geht man dann hin und sagt: “ok, ich bin jetzt aufgewärmt, wir können wieder nach Hause”. Francoise hat es natürlich auch unendlich leid getan für mich und im Grunde habe ich mich schneller wieder beruhigt als sie. Sie wollte mich unbedingt wieder aufmuntern und mir was Gutes tun und es ist unglaublich, aber wahr, sie hat mir doch tatsächlich vorgeschlagen mit dem “grande rou” zu fahren. Pff, Francoise, darauf bin ich lieber nicht eingegangen. Wie kann man die eigene Angst nur so ignorieren, die Todesangst.
Wir sind dann also ins “Croix russe” gefahren, ein Viertel von Lyon, welches für seine Künstler bekannt ist. Früher einmal war es wohl das Arbeiterviertel und ziemlich herunter gekommen, darum auch lange nicht so angesagt, wie das 6te, in welchem ich zur Schule gehe. Ich persönlich finde dabei, Croix russe viel interessanter, abgesehen davon, dass die Wohnpreise heute auch da immens sind. Es liegt auf einem Berg und geht von der Rhone aus, einen Hügel hoch. Aus diesem Grunde hat man eine fantastische Aussicht. Die Straßen sind meist sehr klein, Gassen, verschlungen und steil. Wunderschön und sehr niedlich, eigentlich. Man könnte es an einigen Stellen sogar mit den Hackschen Höfen in Berlin vergleichen, nur, dass es nicht so schön und renoviert ist. Um mich weiter auf zu muntern hat francoise dann darauf bestanden mich in ein Restaurant ein zu laden. Ah, das war so lecker. Das Restaurant war im Grunde ein kleines niedliches Cafe, gerade erst eröffnet und hat alles selbst gemacht. Da wir noch keinen richtigen Hunger hatten, haben wir eben gebruncht und das war die perfekte Entscheidung. Das Essen begann mit einem frisch gepresstem Orangensaft, dann einer selbst gemachten Gemüsesuppe, einem Schinken-Käse-Sandwich auf dicken Vollkornbrot und im Ofen überbacken. Mh.
Dann zum Nachtisch ein Gebäck, wie ein Schokomuffin in Vanillesoße. Es hat sich wirklich gelohnt disqualifiziert zu werden.
La grande rou
3 Januar 2008
Seit dem 8. Dezember schon, ist in Lyon auf dem Place Bellecour, das “grande rou” (Riesenrad) aufgebaut. Wir wollten damit auch schon seit dem 8. Dezember fahren, aber bis heute hatte sich noch keine richtige Gelegenheit ergeben. Dazu kommt nämlich, dass Francoise schreckliche Höhenangst hat und Blanche wahre Horrorgeschichten von der letzten Riesenradfahrt mit ihrer Mutter erzählte. Also trafen wir Regine und Didier, die dort gleich in der Nähe wohnten und wollten mit ihnen die Runde drehen, aber aus unerklärlichen Gründen, ist Francoise dann doch mitgefahren. Es wollte nun keiner freiwillig neben ihr sitzen und so erbarmte ich mich letzendlich. Welch Fehler. Das Rad begann sich zu drehen und die Aussicht war atemberaubend. Man sah fast ganz Lyon von oben und diese Dächerwelt sah einfach nur klasse aus. Nach einer kurzen Panickattacke beruhigte sich Francoise und konnte sich sogar ein bisschen fotografieren lassen, auch wenn sie es weiterhin unten ablehnte, wie wild in der Gondel gedreht zu werden. Dann aber blieb das Rad ganz oben, an der höchsten Stelle stehen und da verging sie fast vor Angst. Wie wild krallte sie sich in meinen Arm und vergrub ihr Gesicht in meiner Jacke. Sie riß mich ganz mit in ihrer Panick und als ich auf den Boden guckte und die Menschen, wie Ameisen klein über den Platz flitzen sah, fiel auch mir plötzlich wieder ein, was so alles schief gehen kann. Das doch die Gondel abfallen könnte oder das Rad umkippen. Richtig überl wurde mir und ich merkte plötzlich, wie auch mir nichts anders mehr im Sinne stand, als aus diesem schrecklichem Riesenrad heraus zu kommen. Francoise fing an zu wimmern und war schrecklich weiß. Es war grauenvoll und es war definitv meine letzte Riesenradfahrt. Zumindest mit der armen Francoise.
