Es ist nicht einmal Freitag, der 13 und doch ging heute so einiges schief. Es war ja der große Tag meiner Aufführung. Das Show-Down so zu sagen, auf welches ich schon seit gut 3 Monaten hin arbeite. Ich bin ziemlich früh aufgewacht und sofort motiviert aus dem Bett gesprungen, was ja eigentlich nicht so meine Art ist und damit eindeutig meinen Streß demonstriert. Dann sofort geduscht, präpariert, Anzug angezogen und Francoise hatte wahrscheinlich noch nicht Mal vom Aufstehen geträumt, da wäre ich schon gerne ins Auto gestiegen und los gefahren. Erst ein Mal aber, als kleine böse Überraschung, kam ein Freund, Michelle, auf einen Morgenkaffee vorbei und Francoise hatte ihn total vergessen. Er brachte eine super leckere Galette mit, so wie eigentlich alle Besucher im Februar und so begannen wir schon den Tag recht fettig. Gegen ca. 11 Uhr fuhren wir dann los. Es war fantastisches Wetter und die Sonne schien. Francoise konnte ihr Auto überreden 110 auf der Autobahn zu fahren, obwohl da schon ganz schön die Fenster klapperten und so rasten wir dem Süden entgegen. Es ging durch ziemlich viel Industriegelände und all die Schornsteine sahen ein bisschen aus, wie verlassene Riesenhäuser. Wie immer fanden wir die Turnhalle nicht gleich, sondern kurvten 4 Mal durch den Ort, um dann zu erfahren, dass wir auch die Halle schon 4 Mal umkurvt hatten, aber solche Sachen sind ja immer schrecklich schlecht ausgeschildert. Bei der modernität der Halle und der Professionalität, wie all die Geräte aufgebaut waren und die Richter im Anzug an weiß gedeckten Tischen dahinter saßen, wurde mir richtig schlecht. Ich fand bald die Anderen und gemeinsam mit ungefähr 50 000 anderen Leuten machten wir uns dann warm. Es klappte alles ziemlich gut und ich glaube das lag an all dem Adrenalin, was durch meine Adern geschoßen wurde, aber ich entwickelte regelrecht ungeahnte Kräfte und stemmte mich am Barren hoch, wie noch nie. Als aller letztes mussten wir uns nur noch unsere Startplätze holen und in die Halle zum turnen marschieren, doch vorher sollte für mich noch die große Bomben platzen.

Ich durfte nicht starten.

Jetzt im Nachhinein klingt das für mich alles, wie ein schlechter Film, ein böser Traum. All das, dass ich seit Monaten trainiert hatte, dass ich mich gedehtn habe ( auch in den Ferien ), dass ich riesen Stress wegen der Musik hatte, dass ich mir ein Kostüm organisiert habe, dass ich zu dieser blöden Halle gefahren bin, mich warm gemacht habe und gerade dabei war in die Halle zu laufen. Das ich all das gemacht habe und nun doch nicht starten durfte. Dass ich all das umsonst unternommen habe, weil mein Lehrer vergessen hat meine Daten den Tunierleuten zu zu senden. Ich war mächtig geknickt. Es ging nicht so sehr darum, dass ich nun nicht platziert wurde, sondern dass es eine schöne Erfahrung gewesen wäre. Dass alle anderen die Möglichkeit habe später am Tunier teil zu nehmen und gerade ich, die diese Möglichkeit nicht hat, nicht starten durfte. Dass ich nciht mitmachen durfte, weil mein Lehrer mich einfach vergessen hat. Es ist unheimlich enttäuschend. Auch das Francoise mit mir dahin gefahren ist, es war mir fast peinlich vor ihr. Es kommt ja auch mächtig blöd. Geht man dann hin und sagt: „ok, ich bin jetzt aufgewärmt, wir können wieder nach Hause“. Francoise hat es natürlich auch unendlich leid getan für mich und  im Grunde habe ich mich schneller wieder beruhigt als sie. Sie wollte mich unbedingt wieder aufmuntern und mir was Gutes tun und es ist unglaublich, aber wahr, sie hat mir doch tatsächlich vorgeschlagen mit dem „grande rou“ zu fahren. Pff, Francoise, darauf bin ich lieber nicht eingegangen. Wie kann man die eigene Angst nur so ignorieren, die Todesangst.

Wir sind dann also ins „Croix russe“ gefahren, ein Viertel von Lyon, welches für seine Künstler bekannt ist. Früher einmal war es wohl das Arbeiterviertel und ziemlich herunter gekommen, darum auch lange nicht so angesagt, wie das 6te, in welchem ich zur Schule gehe. Ich persönlich finde dabei, Croix russe viel interessanter, abgesehen davon, dass die Wohnpreise heute auch da immens sind. Es liegt auf einem Berg und geht von der Rhone aus, einen Hügel hoch. Aus diesem Grunde hat man eine fantastische Aussicht. Die Straßen sind meist sehr klein, Gassen, verschlungen und steil. Wunderschön und sehr niedlich, eigentlich. Man könnte es an einigen Stellen sogar mit den Hackschen Höfen in Berlin vergleichen, nur, dass es nicht so schön und renoviert ist. Um mich weiter auf zu muntern hat francoise dann darauf bestanden mich in ein Restaurant ein zu laden. Ah, das war so lecker. Das Restaurant war im Grunde ein kleines niedliches Cafe, gerade erst eröffnet und hat alles selbst gemacht. Da wir noch keinen richtigen Hunger hatten, haben wir eben gebruncht und das war die perfekte Entscheidung. Das Essen begann mit einem frisch gepresstem Orangensaft, dann einer selbst gemachten Gemüsesuppe, einem Schinken-Käse-Sandwich auf dicken Vollkornbrot und im Ofen überbacken. Mh. :) Dann zum Nachtisch ein Gebäck, wie ein Schokomuffin in Vanillesoße. Es hat sich wirklich gelohnt disqualifiziert zu werden.

 

Francoise ist berühmt

2 Januar 2008

Heute habe ich dann ein bisschen mehr über die Arbeit von Francoise erfahren und war auch das erste Mal in ihrer Bibliothek. Vorher aber ging es erst Mal ins Schwimmbad, um die Kultur mit Körperkultur ein zu leiten. Das Bad liegt gleich um die Ecke und es ist eigentlich schade, dass ich es vorher noch nicht entdeckt hatte. Es ist ganz neu, frisch renoviert und klein. Es hat eine Schwimmbahn von vielleicht 25×15 Meter Breite und ist innen komplett mit Holt getäfelt. Riesige bodentiefe Fenster lassen schön die Sonne herein scheinen und es sind nur ganz wenig Leut da. Ich habe mir überlegt, dass es eigentlich eine recht angenehme Alternative gegenüber dem abendlichem  ver dem Compter gehocke ist. Ziemlich zufrieden mit unserer ersten sportlichen Leistung nach dem Weihnachtsessen-Marathon, gingen Francoise und ich dann weiter in Ríchtung U-Bahn Gratte-Ciel. Auf dem Weg passierten wir eine riesige Graffittiwand namens „Villeurbanne Coast“. Es gab einige richtige Kunstwerke, die von echtem Talent und Können zeigten und mich, wie auch Francoise in echtes Erstaunen versetzten. Ich finde so eine Wand sowie so super. So können sich die Sprayer legal mal richtig ausleben. Weiter ging es dann in Richtung U-Bahn, aber vorher zeigte mir Francoise noch eine kleine Einkaufsstraße.  Es ist eigentlich verrückt. Da wohne ich hier schon seit 4 3/4 Monaten und hatte überhaupt keine Ahnung, dass diese Straße existiert und in meinen letzten Wochen taucht sie dann auf und erweist sich als super praktisch und hätte bestimmt ab und zu eine gute Alternative zum La part Dieu abgegeben. Ich war ziemlich überrascht und die Straße bot so ein schönes Bild. Das lag nicht nur daran, dass sie von Platanten gesöumt war und ganz ruhig mit nur wenigen Passanten, sondern auch an ihrerer Architektur.  Das, so erklärte mir Francoise, wären die typischen Gratte-Cieltürme, erbaut in den 30 Jahren und kopiert von den Wolkenkratzern in New York. Die Architekten von Villeurbanne wären schon immer sehr modern gewesen und fortschrittlich. So passiert man also, wenn man die Straße betritt die beiden riesigen Türme, die, wie ein Tor, den Eingang makieren. Dahinter, im gleichen Stil folgen kleinere Türme. An der Straße sind alle großen Marken zu finden, wie Monoprix, Nafnaf oder Etam. Das Ende markiert das, ebenfalls sehr große, Bürgermeisterhaus, welches sich in seiner Architektur sehr an den Stil der Sowjetunion anlehnt. Von all dem habe ich nichts gewusst. Villeurbanne erschien mir immer als kleiner, ein bisschen ärmlicher Vorort von Lyon, der gekennzeichnet von den vielen Hcohhäusern ist und nun stellte er sich, als wahre Kulturstätte heraus. Wir gingen dann nämlich weiter, wo mir Francoise in einem einfachen Parkhaus ein Buchstabensäule von vielleicht 20 Metern Höhe zeigte, die ein Freund von ihr entworfen hatte. Weiter auf dem Weg dann kaufte sie ein typisches Weihnachtsgepäck zum kosten für mich, welches eine frittierte Teigplatte mit sehr viel Zucker, also sehr köstlich war. Den Namen habe ich mir nicht gemerkt. Endlich sind wir dann in die U-Bahn eingestiegen und zum La part Dieu gefahren, neben dem sich gleich die Bibliothek befindet, in welcher wiederum Francoise arbeitet. Dort wollte sie mir schon seit einer Ewigkeit ihre Ausstellung zeigen und ich begriff dann heute, beim Ansehen eben diers Ausstellung, was sie eigentlich so arbeitete. Ich hatte immer eine völlig falsche Vorstellung von der Ausstellung gehabt und mir ein bisschen vorgestellt, dass sie von der größe einem Museum gleich kommt, aber in Wahrheit, beschränkte sie sich auf einen Flur, der noch Mal um die Ecke ging. Das Thema der Ausstellung war, die Natur ein bisschen auszutricksen und die Gesetze zu wiederlegen. So wurden zum Beispiel Fotos von Männerköpfen gezeigt, die schwul waren, aber noch keine Geschlechtsoperation gemacht hatten. Sie waren in dem Moment des Fotos also weder richtig Frau, noch richtig Mann. Die Fotos waren wunderschön. Riesig groß und in Schwarz-weiß. Betrachtete man sie zuerst, rief man sofort, ah eine Frau, aber wenn man dann genauer hinsah, stutze man. War das da nicht ein Bartschatten? War das nciht eine recht männliche Nasenpartie? Wirkte das Lächeln nicht ein bisschen masuklin? Weiterhin waren eigentliche Models gezeigt. Sehr junge Mädchen, auch wieder nur die Köpfe und in schwarz weiß. Man sah ihnen ihre Modelerfahrung an, doch auch da bemerkte man beim genaueren betrachten, dass sie eigentlich noch alle sehr kindlich waren. Auch sie ließen sich also nicht genau definieren. Es gabe dann noch weitere Filme und Fotos und alles in allem war ich total begeistert von der Ausstellung. Ich hätte sogar große Lust, sie mir nochmal an zu sehen. Francoises arbeit war nun gewesen, erst einmal die sich ein Thema zu suchen und dann 2 Künstler zu finden, deren Arbeiten passen. Mit den Künstlern absprachen zu treffen, Werke aus zu suchen, Werke zu verändern, Vorschläge zu machen und das ganze natürlich noch zu präsentieren. Das alles war ihr, meiner Meinung nach, wunderbar gelungen.