Horror…
18 Januar 2008
Pia ist jetzt weg. Weggangen, weggefangen … gerade eben habe ich ihr noch zugewunken, habe sie fest gedrückt und weinend noch Mal in ihren Pullover gerotzt. Das letzte was ich von ihr gesehen habe, war wie sie am U-Bahneingang stand und mir hinter her sah. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass jetzt wo Pia weg ist, mein Austausch beendet ist. In Frankreich waren wir IMMER zusammen. Pia ist Teil meines Austausches gewesen, ein Teil von Frankreich. Dadurch, dass sie weg ist, fehlt der Teil. Es gibt ein Loch und weil ich das nicht mehr sehen will, muss ich hier weg.
Es ist schrecklich, wenn ich daran denke, was ich verloren habe. Ich werde schrecklich sentimental, aber ein Austausch ist so brutal. Man wird aus seiner Welt gerissen, in eine völlig fremde hinein gesetzt, man wird unter Leute gemischt und muss in einer Sprache reden, die einem so gar nciht geläufig ist. Kaum hat man sich dann eingewöhnt, kaum hat man begonnen alles zu lieben, an alles sein Herz zu hängen, sich fest zu binden, wird man wieder heraus gerissen und wieder in eine völlig neue gesetzt. Das Schlimmste, aber an der neuen Welt ist, dass sie so tut, als wäre es die alte, aus der man vor 6 Monaten ausgezogen ist. Alles hat sich verändert, will dir aber vorgaukeln, dass es noch das Alte ist. Du musst dich wieder neu eingewöhnen und dann kommt die Zerissenheit dazu. In meiner Welt in Frankreich ( um das Ganze jetzt Mal persönlich zu machen) sehnte ich mich immer nach Deutschland und bald in Deutschland werde ich Frankreich schrecklich missen. Schon jetzt kann ich ja kaum Fotos von Pia und mir ansehen ohne ganz traurig zu werden und mir alles zurück zu wünschen. Pia war sowieso gar nicht in den Austausch eingeplant. Sie macht den Abschied ja nur noch schwerer, denn natürlich wissen wir, dass wir uns in Deutschland immer wieder sehen können, aber es wird nicht das Gleiche sein. Auch wenn ich später nach Frankreich zurück komme: Es wird nciht das Gleiche sein.
Ich werde nicht in die Schule gehen, ich werde viele meiner heutigen Freunde nicht mehr treffen, ich werde nicht jeden Montag mit Pia auf der rue de la republique spazieren gehen, wir werden uns nie mehr sorglos nach Hause sehen und Sale-Shopping machen, wie die Verrückten. Ich werde nicht mehr bei ihr übernachten und sie nicht mehr bei mir. Wir werden uns nicht mehr gemeinsam nach Hause sehnen und über die Franzosen ärgern. Nichts mehr werden wir machen, denn wenn wir das nächste Mal nach Frankreich kommen, sei es auch wieder in unsere Gastfamilien, werden wir trotzdem nur Besucher sein.
Es tut so unglaublich weh, die Zelte ab zu brechen und alle Bindungen zu lösen.